Katholische Kommunion

„Eine Taufe – Ein Herr – Ein Glaube“

In den vergangenen Monaten hat das Thema für Schlagzeilen gesorgt:

Dürfen evangelische mit ihrem katholischen Ehepartner die Kommunion empfangen?

Ausgangspunkt war der Entwurf einer "Pastoralen Handreichung" der katholischen Deutschen Bischofskonferenz mit dem Titel "Mit Christus gehen – der Einheit auf der Spur." Einige Bischöfe gingen kurz darauf auf Distanz zu dem Entwurf. Sie schrieben einen Brief an den Präsidenten des Rates für die Einheit der Christen im Vatikan, Kurt Kardinal Koch.

Worum geht es den Bischöfen in ihrem Entwurf?

Sie haben die 40 Prozent kirchlich verheirateter Christen mit verschiedenen Konfessionen in Deutschland vor Augen. Leben sie den Glauben an Jesus, berühren sie den Glauben der je anderen Konfession. Somit leben sie "ihre Ehe als ein Band, das die Konfessionen vereint." Das hat pastorale, also seelsorgerliche Auswirkungen:

So lange es verschiedene christliche Kirchen mit verschiedenem Eucharistie- und Abendmahlsverständnis gibt, kann man nach Überzeugung der katholischen Kirche nicht generell bei der anderen Kirche an den Tisch des Herrn treten. Eheleute in einer konfessionsverbindenden Ehe haben aber oft Sehnsucht nach der gemeinsamen Eucharistie. Darum sollten sie angemessen seelsorgerlich begleitet werden. Ziel soll eine verantwortliche Entscheidung des evangelischen Ehepartners sein. Im Einzelfall kann das zur Teilnahme an der katholischen Eucharistie führen. Man beruft sich dabei auf das Kirchenrecht, das von einer "schweren geistliche Notlage" spricht, die für den evangelischen Partner entsteht.

Voraussetzung ist, dass er fest in das Leben der (katholischen) Kirche eingebunden ist und "in rechter Weise disponiert ist", wie es im Schreiben heißt. Das Bedürfnis nach gemeinsamer Kommunion entsteht aufgrund der geistlichen Verbindung "in Christus".

Diese Einheit soll sich auch und gerade in der Feier der Eucharistie fortsetzen und ausdrücken.

Worum geht es den Bischöfen in ihrem Brief an Kardinal Koch?

Sie meinen: Es geht hier nicht um Pastoral. Es geht um den Glauben. Katholiken glauben nicht das Gleiche wie Protestanten bei Eucharistie und Abendmahl. Wer evangelisch ist und das katholische Eucharistieverständnis teilt, müsste eigentlich katholisch werden, wenn er mit seinen katholischen Partner die Kommunion empfängt, so deren Überzeugung. Weiteres Bedenken: Ist das wirklich eine geistliche Notlage? Anders ausgedrückt: Alle praktizierende Christen sehnen sich nach dem Geschenk, das in der Eucharistie liegt. Die Kirchen haben aber noch kein einheitliches Verständnis.

Die Sehnsucht bleibt. Warum sollte die Sehnsucht von Eheleuten, gemeinsam die Kommunion zu empfangen eine größere Not sein und jetzt schon erfüllt werden? Außerdem kann die deutsche Kirche nicht losgelöst von der Weltkirche so etwas für sich entscheiden.

 Worum geht es mir?

  • Katholische Kirche lebt als Weltkirche, aber auch in einer Kirchengemeinde. Es gibt sie auch in der Ehe als „Hauskirche“. Darin können christliche Eheleute mit verschiedenen Konfessionen die große katholische Einheit im Kleinen wagen. Sie haben sich vor dem Kommuniongang darüber ausgetauscht und nachgedacht. Sie leben eine besondere menschliche und christliche Einheit.

  • Manchmal kann man im Kleinen etwas wagen, was im Großen nicht möglich ist und doch ersehnt wird und geradezu notwendig ist:  Die Einheit der Christen – sichtbar im gemeinsamen Empfang der Eucharistie. Das kann ein Anstoß werden für die weltweite christliche Einheit.

  • Ich erlebe: Kirchenzugehörigkeit ist kein Automatismus. Wer evangelisch ist, kann sich dem katholischen Eucharistieverständnis öffnen und es teilen. Umgekehrt: Nicht jeder Katholik, der kirchenrechtlich katholisch kommunizieren darf, teilt automatisch das katholische Verständnis. Und: Was muss man wie genau und wie intensiv glauben und verstanden haben, um die Kommunion in der katholischen Kirche empfangen zu dürfen?

  • Ohne die verschiedenen Eucharistie- und Abendmahlsverständnisse in unseren Kirchen gleich zu machen:  Was - besser wen - empfangen wir in allen unseren christlichen Kirchen, wenn wir zur Kommunion gehen?

  • Wer sich dabei "nur" an Jesus erinnert – eher evangelisch – erlebt Jesus doch auch gegenwärtig. Wer vor allem die konkrete Hingabe Jesu, seine Vergegenwärtigung feiert – eher katholisch – erinnert sich zugleich an Jesus. Allen gemeinsam ist doch die besondere Verbindung mit Jesus Christus und seine Gegenwart, die im Empfang der Kommunion entsteht und vor allem geschenkt wird. Wir dürfen gerade in der besonderen Form christlicher Ehe, wenn sie konfessionsverbindend ist, auf die gemeinsam errungene und erlebte Entscheidung der Eheleute in der Kommunionfrage vertrauen.

Ganz praktisch halte ich die Weisung unserer Diözese über die konfessionsverbindenden Ehen hinaus für richtig: 
Wer in der katholischen Kirche die Kommunion empfangen will, soll nicht abgewiesen werden. Oder wie Papst Franziskus jüngst gesagt hat: "Eine Taufe, ein Herr, ein Glaube. Sprecht mit dem Herrn und geht voran. Ich wage nicht mehr zu sagen."

Jochen Boos

 

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